Liberaler Fortschrittsglaube mit Skepsis

(NZZ – WIRTSCHAFT/ÖKONOMISCHE LITERATUR – Montag, 24. April 2006, Nr. 94, Seite 16)

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gho. Der Marktwirtschaft wird auch von den erbittertsten Kritikern zugebilligt, den technischen Fortschritt zu fördern. Seit dem Beginn der Industrialisierung werden aber Stimmen laut, die dem Fortschritt an sich skeptisch bis feindlich gegenüberstehen. Die Kritik kommt jedoch nicht nur von «Maschinenstürmern», sondern auch von liberaler Seite. Im vorliegenden Sammelband der Progress Foundation kommen liberale Fortschrittsgläubige, Skeptiker und Anhänger eines Mittelweges zu Wort und beleuchten den Zusammenhang zwischen Fortschritt und Marktwirtschaft. In einer Einführung weist Gerhard Schwarz, Mitherausgeber und Leiter der NZZ-Wirtschaftsredaktion, auf den subjektiven Charakter des Fortschritts hin. Da bei diesem Begriff immer auch eine Bewertung der Vorgänge mitschwinge, solle eher von Veränderung und Wandel gesprochen werden. Deshalb empfehle sich eine prüfend-abwägende Skepsis gegenüber blindem Fortschrittsglauben. Der Band besteht aus prägnanten historischen Texten (Karl Popper, Friedrich von Hayek, Friedrich Lutz, Herbert Lüthy) und Originalbeiträgen, die ein breites Spektrum an Themen von der Organisation des Fortschritts in einer offenen Gesellschaft bis hin zu den «Niederungen» der Details der Innovationspolitik reichen.


Ronald Clapham, Gerhard Schwarz (Hrsg.): Die Fortschrittsidee und die Marktwirtschaft. NZZ Libro, Zürich 2006. 255 S., Fr. 48.–.

NZZ Montag, 24. April 2006, Seite 16

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