Unternehmertum von innen und von aussen

(NZZ – WIRTSCHAFT – Donnerstag, 1. November 2007, Nr. 254, Seite 27)

Zürcher Auftritt von Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher

Gy. Welche Rolle spielen Unternehmer in der Gesellschaft, wie hängt Unternehmertum mit Wirtschaftswachstum zusammen? Diese Fragen sind schon oft diskutiert worden, das heisst aber nicht, dass in dieser Hinsicht nichts mehr Neues zu erfahren ist. Jedenfalls zeigten sich an der 25. Economic Conference der Progress Foundation am Mittwochabend in Zürich Facetten des Unternehmertums, die wohl etlichen Besuchern in Erinnerung bleiben werden. Der Anlass unter dem Titel «The Beauty of Entrepreneurship» machte dem Publikum auf mehreren Ebenen klar, dass es grob gesehen zwei Wege gibt, wenn es ums Ergründen des Unternehmertums geht: Entweder forscht und schreibt man darüber, oder man tut es.

Zoltan J. Acs, Professor an der George Mason School of Public Policy in Fairfax und Direktor des Center for Entrepreneurship and Public Policy, suchte ein differenziertes Bild vom Unternehmertum zu skizzieren, das etwa den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zeigt. Er verwies auf umfangreiche Daten, die nun in immer mehr Ländern erhoben, analysiert und für Quervergleiche aufgearbeitet werden, um den Zusammenhängen auf die Spur zu kommen. Etwa dem Zusammenhang zwischen Unternehmertum und Wirtschaftswachstum. Er betonte, Unternehmer erfänden die Zukunft, sprengten Grenzen und seien in modernen Volkswirtschaften gut fürs Wirtschaftswachstum – aber eben nicht alle. Besonders in Entwicklungsländern seien viele Leute mangels Alternativen Unternehmer, also aus Not, diese brächten keine Wachstumsimpulse.

Magdalena Martullo-Blocher, Grossaktionärin, Verwaltungsrats-Vizepräsidentin und Konzernchefin der Ems-Gruppe, bestritt ihren Auftritt zwar auch mit Worten, vermittelte aber durch Tonfall, Gelassenheit oder Schlagfertigkeit zugleich die Botschaft, dass sie eben tue, worüber sie spreche. Ja, fast hatte man den Eindruck, sie habe ihre Firma, die von der Ertragskraft her viele Konkurrenten der Chemiebranche in den Schatten stellt, mit in den Saal gebracht. Sie betonte wiederholt die praktische Sicht auf Führungsfragen oder Innovation, den Unterschied zwischen Manager und Unternehmer, den Stellenwert des Emotionalen, und gerade in dieser Hinsicht hat sie bei den Anwesenden gepunktet.

NZZ 1. November 2007, Seite 27

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