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Apropos

Angst im Management

Juni 2019

Walter B. Kielholz, Verwaltungsratspräsident der Swiss Re, schreibt in seinem Beitrag zu unserem Buch „Angst vor Gefahren oder Gefahren durch Angst?“ über die externen Faktoren, die das Handeln des Managements von Grosskonzernen bestimmen. Diese Faktoren identifiziert er als Quellen der Angst, die sich negativ auf die Unternehmensführung auswirken, aber auch positive Energien freisetzen könnten.
Zu den Quellen der Angst gehörten einerseits beschleunigte Veränderungen in der Art der Unternehmenstätigkeiten in globalem Rahmen. Dies äussere sich bspw. daran, dass heutzutage immer schneller Zahlen zum Geschäftsgang veröffentlicht werden müssten. Nicht nur die rasanten technologischen Entwicklungen hätten potentiell Überforderung zur Folge, sondern auch die Globalisierung schüre die Angst, als Individuum oder als Unternehmen künftig möglicherweise zu den Verlierern zu gehören.
Anderseits führe auch die wachsende Zahl unterschiedlichster Anspruchsgruppen zu grosser Unsicherheit. Die Firmen seien heute unter Dauerbeobachtung der Medien, der Politik und von Nichtregierungsorganisationen. Den Unternehmen werde eine sich immer stärker ausweitende soziale Verantwortung zugeschoben, die sie gar nicht erfüllen könnten. Dadurch werde die Fokussierung auf die eigentliche Unternehmungsführung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zusätzlich erschwert.
Ausserdem sei das stetig gestiegene Medieninteresse, das nicht nur der Unternehmensführung als solcher gelte, sondern auch zunehmend die Manager als Privatpersonen ausleuchte, eine zusätzliche Belastung. Die verstärkte mediale Öffentlichkeit habe zu grossen Übertreibungen geführt, indem Manager bei guten Geschäftszahlen wie Stars gefeiert, bei Wirtschaftseinbrüchen aber reisserisch und gnadenlos als für die gesamte ökonomische Misere der Firma verantwortlich angeprangert würden.
Es bestehe die Gefahr, dass talentierte Führungskräfte nicht in börsenkotierten Grosskonzernen arbeiten wollten, sondern lieber in einem KMU oder in einem im Privatbesitz befindlichen Unternehmen. Zudem sei auch zu bedauern, dass als Folge der genannten Umstände die Tendenz bestehe, nur noch in kurzfristigen Zeithorizonten zu planen und infolgedessen eine langfristige, gewinnbringende Strategie zu vernachlässigen. Kielholz erwähnt auch die Anschläge vom 11. September 2001 in New York, die die gesamte Gesellschaft erschüttert hätten. Die Verunsicherung und die Angst, dass Terroranschläge immer und überall geschehen könnten, würden auch das unternehmerische Handeln erfassen und zu risikoscheuen Entscheidungen führen. Zudem nähmen als Folge solcher Ereignisse die staatlichen Regulierungen zu, was den Handlungsspielraum einenge und zusätzliche bürokratische Kosten verursache.

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BOOK
Angst vor Gefahren oder Gefahren durch Angst?  (NZZ Verlag)