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Apropos

Markt und Medizin – eine falsche Feindseligkeit

März 2020

In der medizinischen Fachzeitschrift „Praxis“ ist ein Artikel von Gerhard Schwarz, Präsident der Progress Foundation, erschienen. Darin konstatiert der Autor, dass die Marktwirtschaft medial oft als „Feind“ des Gesundheitswesens dargestellt werde. Dies geschehe, obwohl positive Wirkungen des Wettbewerbs wie Effizienz oder Innovation gerade in der Medizin besonders wichtig wären. Schwarz nennt vier Gründe, weshalb es zum falschen Gegensatz von Markt und Medizin komme.
Erstens betreffe die Kritik am Markt bzw. an zu viel Markt in der Medizin meist gar nicht veritable marktwirtschaftliche Zustände, weil das Gesundheitssystem in der Realität ziemlich etatistisch sei. Der Staat interveniere in vielen Bereichen, was dazu führe, dass die wenigen Marktelemente nicht richtig funktionieren könnten.
Zweitens habe die Ablehnung des Marktes in der Medizin und durch Mediziner damit zu tun, dass man das Gesundheitssystem als einen ausgeprägten Sonderfall ansehe, weil die Gesundheit das höchste Gut des Menschen sei. Doch die Gesundheit stehe in Konkurrenz mit anderen, ebenso wichtigen und legitimen Gütern, meint Schwarz. Insofern sollte sich die Medizin nicht grundlegenden Marktmechanismen einfach entziehen.
Drittens wurzle die Marktfeindlichkeit auch in der Antipathie gegenüber dem Modell des Homo oeconomicus. Auch wenn dieses Modell stark vereinfache und die Realität nicht vollkommen adäquat abbilden könne, seien die Aussagen der Ökonomie im statistischen Durchschnitt zutreffend. Deshalb mache das Modell auch vor der Medizin nicht halt, denn Ärzte und Patienten reagierten genauso auf ökonomische Anreize.
Viertens herrsche die Illusion, dass ein staatliches Gesundheitswesen Fehlentwicklungen eines Marktsystems vermeiden könne. Doch gebe es weder theoretische Befunde noch Erfahrungen aus der Praxis, die die Überlegenheit eines staatlichen gegenüber einem marktwirtschaftlichen System darlegen könnten, erklärt Schwarz. Die existierenden Probleme im Gesundheitswesen wurzelten nicht im Wettbewerb, sondern lägen im menschlichen Verhalten und der natürlichen Knappheit aller Ressourcen begründet.

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